Der Schäuble sagte, er wolle einen freiwilligen Beitrag (der Banken) erzwingen, und zwar einen substantiellen Beitrag. Substantiell sollen 20 oder 30% von 100 oder 120 Mrd. Euro sein. Ein deutscher Verteidigungshaushalt pro Jahr, so in etwa. Finanzminister Schäuble möchte also von privaten Geschäftsleuten 20 oder 30 oder 40 Mrd. Euro haben. Und zwar dalli und freiwillig.
Auch Frau Merkel hat im Fernsehen ins gleiche Horn gepustet und betont: freiwillig ("ich sage das ausdrücklich") soll es sein. Und beim nächsten Mal, vor CDU-Funktionären, hat sie beschrieben, wie sie es anstellen will, auf die Schnelle an 20 oder 30 oder 40 Mrd. Euro zu kommen, die nicht ihr, sondern den Gläubigern gehören: Sie spricht ganz vertraulich, unter 4 Augen mit dem Gegenüber ("natürlich nicht auf einer Pressekonferenz.."). Und dann rücken die das freiwillig raus.
Meint Frau Merkel.
Die Deutsche Bank hat bestätigt, dass es Gespräche zum Thema gibt.
Ein Aktionär, also ein (klitzekleiner, anteiliger) Besitzer der Deutschen Bank könnte dazu fragen:
1. Gesetzt den Fall, der Ackermann gibt tatsächlich der Frau Merkel freiwillig Geld, um ihr aus der Bredouille mit einem defekten griechischen Faß zu helfen - darf Ackerrmann das? Darf der Chef einer privaten Geschäftsbank Geld, das der Bank gehört der Merkel schenken?
2. Wer um alles in der Welt soll bitte glauben, dass ausgerechnet so ein fluchwürdig profitgieriger Kapitalistenknecht, als den ihn auch die Merkel gern beschreibt, dass ausgerechnet dieser Ackermann freiwillig so viel Geld verschenkt?
3. Und wenn der Ackermann tatsächlich ein paar Millionen oder Milliarden aus der Kasse der Bank der Merkel schenkt, damit sie es in das griechische Faß kippt, ist es dann sehr selbstsüchtig, wenn der kleine Aktionär möchte, dass beide das Geld bitte hinterher wieder zurücklegen, weil dieses Geld nicht dem Ackermann und nicht der Merkel gehört, sondern der Bank, die wiederum den Aktionären gehört?
4. Wenn die Merkel streng vertraulich an ein paar Millarden ran möchte, die ihr nicht gehören, ist es dann sehr klug, dieses Vorhaben auch noch vorher im Fernsehen anzukündigen? Standard & Poor's und Fitch gucken doch bestimmt auch Fernsehen.
5. Und wenn dieser Aktionär, zur Bank ginge und sagte:
"meine liebe Hausbank, ich habe da ein drängendes finanzielles Problem. Zur Lösung will ich nicht etwa einen Kredit, den ich zurückzahlen müsste, sondern einen Zuschuss, den ich nicht zurückzahlen werde, von ihnen haben. Es geht um 100 oder 120 T€, die ich jemandem geben möchte, der noch viel schlimmere Probleme hat, so schlimm, dass er seine Schulden wohl niemals ganz zurückzahlen kann, so ernst ist die Lage. 20 oder 30 T€ will ich also als Zuschuss von Ihnen haben, Sicherheiten gibt es keine, auch nicht von mir persönlich. Sie sollen hinterher sagen, dass Sie mir den Zuschuss freiwillig (!) gegeben haben. Und da Sie noch zögern, möchte ich jetzt bitte einen Gesprächstermin, bei dem ich Sie unter 4 Augen zu diesem Zuschuss zu zwingen gedenke, falls Sie dann immer noch zögern."
Was für eine Antwort wird der Aktionär bekommen?
Und auf die Gefahr, dass politisch sehr unkorrekt ist: sollten Frau Merkel bzw. Herr Schäuble nicht genau die gleiche Antwort bekommen?
Thesen:
- Dass man Freiwilligkeit erzwingen kann, ist ungefähr so glaubwürdig wie die These, die Tschechen hätten um den Einmarsch der Russen gebeten, weil ihnen beim Prager Frühlings langweilig geworden war.
- Das Gemauschel, Gelüge, Getrickse im Zusammenhang mit den Kategorien "Meins und Deins" und "Wahr und Falsch" ist keine Lösung für die Griechenlandkrise, sondern das Problem, genauer die Hauptursache für das Problem.
- Mit welcher beiläufigen, professionellen Selbstverständlichkeit öffentlich gelogen, getrickst, manipuliert und gefälscht wird, und zwar von der politschen Führung vorneweg, ist schockierend.
- Vertrauen ist der Anfang von allem, Mißtrauen ist das Ende von allem. Wenn so offensichtlich Meins & Deins und Wahr & Falsch umgezimmert und zurecht gebogen wird, muss man mißtrausich werden, egal, ob man Großgläubiger, Ratingagentur, Anleger oder Kleinbürger am Stammtisch ist.